Ein Verein im Herzen von Trebur

Vor genau 100 Jahren trafen sich mehrere junge Leute im Gasthaus Hagelauer (heute Bäckerei H.F. Lerch), um den Arbeiter-Fußball-Sportverein „Gesellschaft Edelweiß“ zu gründen. Anton Lösch wurde im Jahre 1905 der erste Vorsitzende unseres Vereins. So begann das Vereinsleben, welches wir in unserer Chronik von den kleinen Anfängen mit allen Schwierigkeiten und geschichtlichen Rückschlägen bis zu seiner heutigen Größe von fast 900 Mitglieder, ein wenig darstellen wollen. Auch allen verstorbenen Sportkameraden, die mithalfen, die Entwicklung des Vereins voranzutreiben und sich lange Zeit ihres Lebens in der Vereinsarbeit engagierten, wollen wir hier gedenken. Ohne jedes Mitglied, damals wie heute, wäre es nicht möglich, das 100jährige Vereinsjubiläum zu feiern.

In den Anfängen standen dem Verein weder ein geeignetes Sportgelände noch ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung. So wurden auf der Fohlenweide am Riedweg die ersten sportlichen Wettkämpfe ausgetragen. Naturgemäß war im Jahr 1905 alles noch sehr primitiv, wie überhaupt das ganze Sportgeschehen noch in den Kinderschuhen steckte. Es gab noch keine organisierten Sportverbände und es wurden lediglich Fußballspiele gegen Nachbarvereine in Freundschaft ausgetragen. Ohne Schuhe traf man beim ersten Anpfiff vor 100 Jahren auf eine Mannschaft aus Gustavsburg. Um ein Tor zu erzielen, musste man den Ball zwischen zwei Stangen durchschießen, die mit einer Kordel verbunden waren.

Nachdem man von dem ersten Vereinslokal Hagelauer für ein Jahr in die Gaststätte und Metzgerei Ruhland (heute Fahrradhandlung O. Claus) gewechselt war, fand man im „Stolpereck“ (zwischen Kleiner Grabengasse und Sandkaute) eine längere Bleibe. Kurz vor dem ersten Weltkrieg versammelten sich dort die Mitglieder, um ihrem Verein den Namen „Freier Turn- und Sportverein Trebur“ zu geben, welcher dadurch Mitglied im Arbeiter-, Turn- und Sportbund Deutschland wurde.

Durch den stetigen Zulauf neuer Mitglieder wurde auch eine Basis für neue Sportarten geschaffen. Neben Fußball wurden nun Turnen, Leichtathletik, Kraftübungen und Faustball angeboten. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges erlitt der in voller Blüte stehende Verein einen schweren Rückschlag. Anstelle des vermissten Anton Lösch wurde Georg Schmenger IV neuer Vorsitzender. Der Spiel- und Sportbetrieb wurde trotz des furchtbaren Geschehens in der Welt aufrechterhalten. Während dieser Zeit musste man sich wieder ein neues Vereinslokal suchen. Im „Goldenen Pflug“ (Gasthaus der Familie Roth) fand man ein Lokal, das bis zur Fertigstellung des Eigenheims als Mittelpunkt des Vereinsgeschehens diente. Nach dem Krieg fand im Jahre 1920 das Bezirksturnfest mit über 500 Teilnehmern unter der Organisation unseres Vereins statt.

Jedes Haus in unserer Gemeinde beherbergte mindestens einen Sportler, was man sich damals zur Ehre rechnen konnte. Der Höhepunkt des Turnfestes war eine aus 180 Mann gebildete Menschenpyramide auf der Fohlenweide. Nicht nur die Sparte Fußball profitierte von dem allgemeinen Aufwärtstrend, auch Turnen, Leichtathletik und Faustball erzielten sportliche Erfolge. 1925 wurde in Offenbach die Hessische Meisterschaft im Faustball gewonnen.